„Ein kleiner Marienkäfer fliegt auf dein bleiches Gesicht.
Er badet sich in deinen Tränen bis die Traurigkeit langsam erlischt.“
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Ich saß in einem Wohnzimmersessel eingekuschelt, den Blick auf die Bilder des Plattencovers fixiert und ganz vertieft in den Gesang des kleinen Schusterjungen. In meiner Erinnerung sang er diese Zeilen in so ergreifender Schönheit, dass es mich an einer Stelle berührte, die sich nach Frieden, Nähe und absoluter Erfüllung anfühlte.

Damals war ich neun Jahre alt und dieses Erlebnis entfachte in mir eine so tiefe Sehnsucht, dass mein Wunsch für die Zukunft feststand: Ich wollte so singen lernen – wollte ganz und gar so sein.

Während der Ausbildung bemerkte ich dann, dass ich, um Dinge als neues Wissen in mir aufnehmen zu können, immer eine intuitive Verbindung zum/r Lehrenden brauche. Erst in Barbara Bornemann, einer Sängerin aus der Staatsoper Berlin, fand ich diese Konstellation. Nach mehreren Fehlversuchen innerhalb der Hochschule wich ich so auf eine externe Gesangslehrerin aus. Durch sie lernte ich, was es bedeutet mich intuitiv dem Gesang hinzugeben und empfinde diese Zeit als richtungsweisend für meinen heutigen Gesang/Unterricht.

Seit meinem ersten Kontakt mit verschiedenen Formen der Atemtherapie erkannte ich hier eine Ausgangsplattform für meine Forschungen über das Wesen des intuitiven Gesangs. U.a. der Leidensdruck meiner eigenen Gesundheit, führte mich im Laufe meines Werdeganges immer wieder dorthin zurück. Insbesondere sind es heute Anteile von Ilse Middendorfs „erfahrbahrem Atem“ und der Stimm- Sprech- und Atemtherapie von Clara Schlaffhorst und Hedwig Andersen, die die Basis meines Gesangs und meiner Unterrichtsmethode bilden.

Noch heute ist mein Singen und Singenlehren von diesem besonderen, frühen Erlebnis tief geprägt: Stets ging und geht es um Klang, der noch „unbefüllte“ Räume füllen möchte, der Grenzen sucht, die berührt werden wollen um sich zu öffnen – etwa wie Tränen, die die Haut entlang gleiten, die über zarte Berührungen, wie einen leichten Windhauch, Nähe – Berührtheit entstehen lassen und so langsam Traurigkeit, Einsamkeit oder auch Angst auflösen können.

Singen, bzw. das Singen zu lehren, bedeutet für mich, über den Gesang (wieder) in Berührung mit sich selbst zu kommen oder zu bleiben.

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